Ein anonymer Hinweisgeber hatte in einem Schreiben berichtet,
dass ein marokkanischer Häftling von vier weiteren Insassen wiederholt gequält
worden sei. Unter anderem sei er an einen Herd mit eingeschalteten Kochplatten
gefesselt worden. Daraufhin schaltete sich die Staatsanwaltschaft ein und
ermittelte. Aber: „In der besagten Küche werden keine Herdplatten verwendet“,
sagte Baumert gestern.
Es war bereits das dritte Schreiben, in dem der unbekannte
Absender angebliche Missstände in der JVA anprangert. Auch die Vorwürfe in den
ersten beiden Briefen, denen das NRW-Justizministerium nachging, erwiesen sich
als haltlos, wie Ministeriumssprecher Ralph Neubauer sagt. Die Identität des
Verfassers ist nach wie vor unklar. Weil er durchaus über Insider-Kenntnisse
verfügt – Neubauer: „immer steckte ein Fünkchen Wahrheit drin, der Rest war
erdichtet“ – soll es sich um einen Justizvollzugsbeamten oder einen
(Ex-)Häftling handeln.
Doch auch wenn sich die Anschuldigungen einmal mehr als unwahr
herausstellten, ist dem NRW-Justizministerium sehr daran gelegen, den Verfasser
zu identifizieren. „So etwas bringt viel Unruhe in den Betrieb“, sagt Neubauer.
Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter wollte gestern wegen des laufenden
Verfahrens keine Stellungnahme abgeben. |