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... | | Rubrik Rhein-Ruhr | | | Überschrift | | "Mit Resozialisierung hat das nichts zu tun" | | | JVA | "Mit Resozialisierung hat das nichts zu tun" | | Gelsenkirchen.
Chronisch überbelegte Zellen, eingeschränkte Besuchszeiten, kaum
Weiterbildungs- bzw. Freizeitangebote: Die Situation der
Justizvollzugsanstalt (JVA) Gelsenkirchen nennt Volker Wingerten
„angespannt”. |
Seit Jahren arbeitet der Anstaltsleiter mit einer um fast 20 Prozent
reduzierten Belegschaft, hinzu kommt ein Krankenstand von 20 Prozent.
Das alles bei konstant hoher Belegung: 601 Häftlinge sitzen zurzeit im
Gefängnis der Schalke-Stadt. An ein Wunder grenzt, dass die Zahl der
Gewaltstraftaten innerhalb der Anstaltsmauern in den letzten Jahren
nicht gestiegen ist.
Vor den Gittern aber wächst der Unmut: „Die Kollegen müssen ständig
extra Wochenend- und Nachtschichten schieben. Das frustet”, sagt Ernst
Augustin, Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes im Männerhaus. Auch
Barbara Filthaus, Stadtverordnete und Mitglied im Beirat der JVA,
findet klare Worte. „Die Häftlinge können so nur noch verwahrt werden.
Mit Resozialisierung hat das nichts zutun.”
Wingerten wird es seit 2004 nicht leicht gemacht. Damals verteilte die
Landesregierung Personal um: 45 der rund 300 Mitarbeiter der JVA
Gelsenkirchen wurden in andere Anstalten versetzt. Wingerten: „Wir
erfüllen alle notwendigen Aufgaben, um die Sicherheit zu
gewährleisten.” Was aber bei einer so dünnen Personaldecke nicht mehr
gewährleistet ist, ist persönliche Betreuung. „Wir mussten
Besuchszeiten einschränken.” Noch sind Gewaltdelikte nicht vermehrt
aufgefallen, wiewohl: „Wir führen viele Gespräche mit den Häftlingen”,
sagt Beiratsmitglied Filthaus. „Die Stimmung ist schlecht.” Hinzu
kommt, dass es, obwohl gesetzlich vorgeschrieben, nicht ausreichend
Einzelzellen gibt. Im Frauenhaus werden schon lange mehrere Betten in
eine Zelle gestellt. Von einem Pulverfass möchte Wingerten dennoch
lieber nicht sprechen. „Noch geht es”, sagt er. | | |
Nicht nur im Frauenhaus werden schon lange,
natürlich gesetzwidrig, mehrer Betten in eine Zelle gestellt. Auch im
Männerhaus gibt es kaum noch Einzelzellen. Merkwürdig, am 4.3.2009 brachte der
WDR einen Bericht über diese JVA. Dort öffnete ein Beamter der JVA eine Zelle
für das Filmteam. Merkwürdig, es handelte sich um eine Einzelzelle. Ein Zufall?
Auch die WAZ veröffentlichte am 9.12.2008 ein Foto. Was zeigte dies? Natürlich
ebenfalls (ganz zufällig?) eine Einzelzelle. Fast hat man den Eindruck, als
hätte die JVA extra eine Einzelzelle für die Presse zurückgehalten.
Im Männerknast gibt es auch Viermannzellen. Bei Eröffnung der JVA existierte
nicht eine einzige Viermannzelle. Diese wurden alle (gesetzwidrig) nachträglich
geschaffen, in dem man einfach weitere Betten und Schränke in die Zellen
brachte. Damit wurde natürlich auch (ebenfalls gesetzwidrig) die
Gesamtbelegungszahl nach oben geschraubt. Und dabei steht im
Strafvollzugsgesetz nicht nur, dass den Gefangenen die Einzelzelle zusteht,
sondern auch dass Überbelegungen verboten sind.
Bei Veröffentlichung dieses Artikels war noch nicht bekannt, dass die JVA
einige Wochen danach richtig in die Schlagzeilen gerät, und Ende Februar 2009
der Leiter der JVA gehen muss.
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