Düsseldorf/Gelsenkirchen (dpa/lnw) -
Nach monatelangen Beschwerden
und Mobbingvorwürfen von Beschäftigten und ehrenamtlichen
Mitarbeitern im Gelsenkirchener Gefängnis hat Justizministerin
Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) die Anstaltsleitung ausgetauscht.
Neuer Chef der Haftanstalt werde der bisherige Leiter der JVA
Castrop-Rauxel, Julius Wandelt. Der Gefängnispsychologe Werner Heß
stehe ihm als Stellvertreter zur Seite, teilte das Justizministerium
am Freitag in Düsseldorf mit. Außerdem bekomme Gelsenkirchen einen weiteren Volljuristen. Mit
der neuen Führungsspitze werde die Grundlage für einen «unbelasteten
Neuanfang geschaffen», erklärte die Ministerin. Ein
Ministeriumssprecher wollte auf Nachfrage keine Gründe für die
Abberufung des bisherigen Anstaltschefs nennen. Er wird ins
Ministerium versetzt und soll mittelfristig eine neue Aufgabe im
Strafvollzug bekommen. Personalräte und Ehrenamtlichen-Gremien hatten laut
Medienberichten der alten JVA-Spitze schlechte Zusammenarbeit,
Mobbing und ein unerträgliches Arbeitsklima vorgeworfen. Der
Krankenstand liege weit über dem normalen Maß, ein Bediensteter soll
in der JVA Nacktfotos angefertigt haben. Das Gefängnis sei ein
ständiger Unruheherd gewesen, hieß es. Beim Landgericht Essen steht
zudem ein mutmaßlicher Folterfall in der Gelsenkirchener Anstalt zur
Verhandlung an: Zwei Häftlinge sollen danach in einer Viererzelle
zwei Mitgefangene mehrfach gequält, sexuell misshandelt und ein Opfer
zum Selbstmord aufgefordert haben. |
Dass der Anstaltsleiter die JVA verlassen muss, wird durchaus begrüßt. Aber es ist festzustellen, dass es
sich dabei sogar um eine Belohnung für den ehemaligen Knastleiter handelt, denn
der wird in das Justizministerium versetzt, und fällt damit die Karriereleiter
rauf statt runter. Es ist weiter festzustellen, dass es sich dabei um ein
Bauernopfer handelt. Für viele Verfehlungen trug der alte Anstaltsleiter noch
nicht einmal die Hauptschuld, die man schließlich in den Vorgaben des Ministeriums
suchen muss.
Durch das Bauernopfer soll der Focus und der dadurch entstandene
öffentliche Druck von der JVA genommen werden. Dabei darf gerade dies nicht
passieren, denn sonst wird sich in der JVA nicht viel ändern.
Ob der neue Anstaltsleiter wirklich der angekündigte Heilsbringer sein
wird, darf bezweifelt werden, es wird sich zeigen. Schließlich ist auch
Castrop-Rauxel keine JVA der Glückseligkeit, wie man hier an anderer Stelle
nachlesen kann. Man muss sich nur mal die Umzäumung des offenen Frauenknasts Gelsenkirchen
ansehen, und dies mit der Umzäumung des offenen Männerknasts in Castrop
ansehen. Der Zaun in Gelsenkirchen ist ca. ein Meter hoch, der in Castrop über
zwei Meter. Ein so hoher Zaun, der erst vor einigen Jahren noch erhöht wurde,
ist aber für einen offenen Vollzug nicht zulässig.
Begrüßt wird ausdrücklich, dass nicht nur ein neuer Anstaltsleiter,
sondern auch ein neuer Stellvertretender zur JVA wechselt.
|