Hannover. Harte Folgen des Aufstandes in der Justizvollzugsanstalt (JVA)
Hannover: „Für zwei Wochen dürfen die betroffenen Gefangenen ihre Zellen nur
noch zum Duschen und Essen verlassen“, so JVA-Sprecherin Kerstin Buckup.
Nach einem Hofgang hatten sich 60 Häftlinge den Anweisungen der
Sicherheitskräfte widersetzt. Gestern wurden sie nun von der JVA-Leitung zu dem
Vorfall befragt. Offenbar wollten die Gefangenen gegen eine gestrichene
Aufschlusszeit am Sonnabend protestieren.
Sonntag um 8.15 Uhr: Wie an jedem Wochenende verlassen rund 150 Gefangene
ihre Zellen zum einstündigen Hofgang. Eine Stunde dürfen sie an die frische Luft
– um 9.15 Uhr müssen sie in das Gebäude zurückkehren. Doch rund 60 Hofgänger
weigern sich. Sie versammeln sich in einer Ecke des Hofs und ignorieren die
wiederholten Aufforderungen ihrer Bewacher. Die JVA-Mitarbeiter sehen sich
gezwungen, rund 25 Polizisten zur Unterstützung zu rufen. Um 10 Uhr treffen die
bewaffneten Beamten ein. Schließlich geben die 60 Häftlinge auf und verlassen
den Hof.
„Hätten sie nicht aufgegeben, wäre die Versammlung wie eine normale
Demonstration aufgelöst worden“, meint Buckup. Die Polizisten hätten dann hart
durchgegriffen Buckup: „Gott sei Dank ist nichts passiert.“
Nach dem einstündigen Hofgang werden in der JVA an jedem Wochenende bis 12
Uhr die Zellen geöffnet, damit sich die Häftlinge treffen und unterhalten können
– die sogenannte Aufschlusszeit. Vergangenen Sonnabend entfiel diese jedoch:
„Wir hatten sechs erkrankte Gefangene, die von unserem Personal in die Klinik
gebracht werden mussten. Daher waren nicht genug Mitarbeiter in der Anstalt, um
die Sicherheit während des Aufschlusses zu gewährleisten“, begründet Buckup die
Streichung der Zellenöffnung. Einen derartigen Gefangenenaufstand hätte sie noch
nicht erlebt: „Das ist eine ganz, ganz seltene Geschichte.“