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FOLTERKNASTPRESSE | | ............................................................................................................................................................................................................................................... | ... 2009.08.14
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... | | Rubrik Justiz | | | Überschrift | | Eine Welt für sich
| | Eine Welt für sich
| Mit dem letzten Teil unserer Serie „WAZ öffnet Pforten” betreten die Leser
eine eigene Welt, eine fest verriegelte. Das wird schon beim Einlass durch den
Haupteingang deutlich. Personalausweis-Kontrolle, ehe es durch eine
Sichertheitsschleuse zu einem Angestellten geht, der einen mit einem
Metalldetektor absucht: Willkommen in der Justizvollzugsanstalt.
„Ich verspreche ihnen, sie kommen alle wieder raus, wir haben ja die
Schlüssel”, meint Leiter Julius Wandelt feixend zur Begrüßung, um die Stimmung
ein wenig aufzulockern. Doch die bleibt seltsam bedrückend; wie Kinder, die
einen verbotenen Raum betreten haben, bewegen sich die Gäste in der ungewohnten
Umgebung. Oder ist es das Wissen darum, dass die Freiheit hier keinen Zugang
hat? | Fit machen für ein straffreies Leben
Der Leiter und sein wichtigster Angestellter, Dr. Peter Hardetert, Mann der
ersten Stunde in der JVA Gelsenkirchen, erklären erst einmal die Fehler der
Vergangenheit: „Über das Leben hier wurde früher gerne eine Käseglocke gestülpt,
dabei machen wir nichts Geheimnisvolles”, bekräftigt Wandelt und betont die
„gesamtgesellschaftliche Aufgabe”, die über das bloße „Wegsperren” hinausginge.
„Wir wollen hier fit machen für ein straffreies und verantwortungsvolles Leben”,
so der Leiter, der „sein kleines Reich” an einem Modell erklärt: Wohnblöcke,
Werkshallen, Bibliothek, Sportplatz, Mehrzweckhalle – alles da.
Dann geht es hinaus in den größten Bereich, die Sport- und Freizeitanlage.
Denn: „Wer 23 Stunden am Tag in einer sechs Quadratmeter großen Zelle verbringt,
für den ist Bewegung ganz wichtig”, erklärt Julius Wandelt. Immer wieder müssen
Türen auf- und zugeschlossen werden. Die schweren Schlüssel, die Peter Hardetert
da an seinem Bund mit sich trägt, machen mächtig Eindruck.
Es ist Nachmittag, also Freizeit im Knast, Inhaftierte stehen an ihren
„luftgesiebten” Fenstern, viele mit freiem Oberkörper, manche grüßen freundlich
den seltenen Besuch. Auf dem Aschenplatz treffen gerade zwei Fußballmannschaften
aufeinander, ohne Schiedsrichter, hier herrscht wohl das Gesetz des Stärkeren.
Zwischen dem Männer- und dem Frauenblock – durch den Sportplatz voneinander
getrennt – herrscht heftige Kommunikation: Mit leuchtenden Taschenlampen oder
weißen Tüchern werden blitzschnell Buchstaben in die Luft gemalt, das
„Knacki-Morse-Alphabet”. Manche funken ohne Unterbrechung. „Spannend wird es,
wenn eine Frau funkt, und drei Kerle anworten”, spöttelt Handetert. Dann geht es
ins Schmuckstück der umzäunten Anlage, in die Sporthalle. Die ist vom Feinsten,
ein prächtiger Kuppelbau, mit Holz verkleidet, ebenso wie die Tribüne. Der
Fitnessraum ist bestens ausgestattet, natürlich mit knackigen Bodybuilderinnen
an der Wand, manche Fotos mit Widmung: „Haltet durch”, steht da. Hinter Glas
stehen eine Menge Pokale, Trophäen diverser JVA-Landeswettbewerbe. | Harte Matratze in der Musterzelle
In einem der bunten Kirchenräume im Frauentrakt haben wir eine kleine
Talkrunde mit zwei Straftäterinnen. Die eine verbüßt fünf Jahre und drei Monate
wegen Totschlags, die andere hat wegen Kapital-Anlagebetrugs dreieinhalb Jahre
aufgebrummt bekommen. Die beiden leben in einer Wohngruppe, tragen
Zivilkleidung, sind in der Bibliothek beschäftigt. Die Stimmung ist ein wenig
beklemmend. Was sie am meisten vermissen? „Ach, einfach mal das Meer sehen in
Holland, ein Saunagang oder in die Eisdiele gehen.” Die Gäste schweigen.
Zum Schluss geht es noch in eine Musterzelle: Stuhl, Tisch, Bett,
Grundausstattung an Geschirr und Besteck, die Matratzen äußerst hart – da kommen
keine sanften Träume auf. Wenigstens das große Fenster spendet viel Sonnenlicht.
Dann stehen wir auch schon am Ausgang. Ein „Auf Wiedersehen” vermeiden wir,
der Leiter wünscht „Alles Gute”. Das schwere Tor fällt ins Schloss, draußen
dröhnt der Autoverkehr. Ein schönes Geräusch. | |
Nun nachdem der Folterknast bundesweit für
Schlagzeilen in der Presse gesorgt hat, muss natürlich Pressearbeit gemacht
werden. Dazu gehört dieser Bericht in der WAZ und auch der „Tag der offenen Tür“
im offenen Frauenknast, der im selben Monat stattfindet. Weder in der WAZ noch am
Tag der offenen Tür wird mehr über die Vorfälle im „Folterknast“, „Pornoknast“
bzw. „Psychoknast“ berichtet.
Dabei waren sowieso nur Misshandlungen von
Gefangenen durch Gefangene in der Presse. Die richtigen Skandale, nämlich
Misshandlungen von Gefangenen durch Justizbeamte, die hatte die Presse erst gar
nicht gebracht.
Die WAZ brachte auch ein Foto einer „Musterzelle“.
Immer wieder wird also der Öffentlichkeit was vorgegaukelt. Die „Musterzelle“
ist immer eine Einzelzelle. Noch nie hat die WAZ das Foto einer rechtswidrig zu
einer Zweimannzelle umfunktionierten Einzelzelle veröffentlicht.
Die WAZ stellt fest, dass die Matratze hart
ist, aber dies ist sicherlich das kleinste Problem. Auf dem abgebildeten Bett
kann man sich hinsetzen, wie man auf dem Foto sieht. Die Betten in einer
Gemeinschaftszelle eignen sich aber nicht zum hinsetzen, denn das zweite Bett hat
man über das erste gestellt, und daher hat man keinen Platz mehr sich auf das
untere Bett zu setzen.
Und jede Zelle hat natürlich auch einen
Lichtschalter, sowie eine Notrufanlage und Gegensprechanlage. Vielleicht hätte
die WAZ mal so eine Zelle fotografieren sollen. Denn die Zellen waren
ursprünglich als Einzelzellen konzipiert. Ein zweiter Schrank war daher nicht
vorgesehen. Nachträglich umfunktionierte Zellen haben also gar nicht genug
Platz. Es gibt Zellen, da befindet sich der Lichtschalter, die Notruf- und
Gegensprechanlage hinter dem zweiten Schrank. Das ist nicht nur absolut
unsinnig, sondern auch gesetzwidrig. Lt. Strafvollzugsgesetz dürfte es in der
JVA Gelsenkirchen gar keine Gemeinschaftszellen geben. Das Strafvollzugsgesetz
schreibt bereits seit 1977 die Einzelunterbringung vor.
(Der Übergangsparagraph gilt nicht für die JVA
Gelsenkirchen.)
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