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2009.08.19

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Rubrik Lokalmeldungen Nürnberg
Überschrift 
Ausbrecher hatte Helfer

Ausbrecher hatte Helfer

Jan Grzywacz verschwand vermutlich mit einem Audi
NÜRNBERG - Der 30-Jährige, der auf spektakuläre Weise aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, ist nach wie vor auf der Flucht. Alles deutet darauf hin, dass Jan Jacek Grzywacz Komplizen hatte. Den Ermittlungen zufolge verschwand der Pole mit einem dunklen Audi.

Bis in die Nähe der Theodor-Heuss-Brücke folgten die Polizeihunde der Fährte des Entflohenen. Dort verliert sich seine Spur. Dort dürfte Grzywacz am frühen Montagmorgen, unmittelbar nach seinem Ausbruch, in einen schwarzen Audi mit Nürnberger Kennzeichen gestiegen sein. Davon geht die Polizei mittlerweile aus.
Gut vorbereitet
Alles spricht dafür, dass der Ausbruch gut vorbereitet war und der 30-Jährige Komplizen hatte, die ihn aus der Stadt brachten; die ihm neue Kleidung verschafften - der Flüchtige trug nach dem Ausbruch den Häftlings-Blaumann -; die ihn mit Geld, Lebensmitteln und vielleicht mit einer neuen Identität versorgten.

Wie Grzywacz mit seinen Fluchthelfern Kontakt aufnahm, ist unklar. Seit 18. Juni saß der Pole in Nürnberg in Untersuchungshaft. Doch während dieser Zeit habe dieser keinen Besuch gehabt, sagt Werner Engerer, Vizechef des Gefängnisses. Grzywacz war im März in der Nähe von Naumburg festgenommen und dann von der dortigen JVA nach Nürnberg überstellt worden, weil er hier einen Einbruchdiebstahl begangen haben soll.
Nach Polen ausliefern
Möglicherweise hat sich Grzywacz bereits ins Ausland abgesetzt. Sein Heimatland Polen dürfte er aber vermutlich meiden. Dort muss der 30-Jährige laut Engerer noch eine Freiheitsstrafe verbüßen. Wie berichtet, sollte der Häftling von Nürnberg aus nach Polen ausgeliefert werden.

Grzywacz gilt als der Drahtzieher des Ausbruchs, den er mit einem in derselben Zelle sitzenden Landsmann in der Nacht zum Montag unternommen hatte. Wie berichtet, hatten sie mit einem Schraubenzieher ein Loch in die Decke gebohrt. Vom Dach aus seilten sie sich an zusammengeknoteten Bettlaken 15 Meter in die Tiefe ab - bis auf den Parkplatz des benachbarten Gerichtsgebäudes. Der Ältere, ein 37-Jähriger, der eine Prostituierte vergewaltigt haben soll, wurde wenig später ganz in der Nähe geschnappt.

Nach Grzywacz wird intensiv gefahndet. Die Polizei hat ein Bild und eine Beschreibung des Flüchtigen veröffentlicht. Der dunkelblonde Pole ist zirka 1,80 Meter groß. Er wiegt 70 Kilo und hat Schuhgröße 47. Er raucht und hat Zahnlücken. Wer den entflohenen Häftling gesehen oder am Montag zwischen 3.30 und 5 Uhr auf der Theodor-Heuss-Brücke Verdächtiges beobachtet hat, wird gebeten, sich unter (0911)21123333 an die Kripo zu wenden.

Horst Arnold, SPD-Landtagsabgeordneter und Vize-Vorsitzender des Gefängnisbeirats, wiederholt indes seine Kritik an der dünnen Personaldecke im Gefängnis. Der Personalmangel sei unwiderlegbar. Dass seine Kritik auf falschen Zahlen beruhe, wie Justizministerin Beate Merk (CSU) entgegnet hatte, weist Arnold zurück. «Es ist ein Phänomen, mit welchen Rechenkünsten die Bayerische Staatsregierung peinlichste Situationen negiert.«

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