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Interview mit Andreas Schneider
„Durch die Verhaftung haben sie mich wieder aktiviert!“

Interview mit Andreas Schneider

Frage: Hallo Andreas, du bist jetzt einen Monat weggesperrt. Siehst du denn jetzt endlich ein, dass man nicht einfach so gegen Tiermord demonstrieren und Tieren das Leben retten darf? Im Ernst: Würdest du anderen verurteilten TierrechtlerInnen nach deinen Erfahrungen raten, auch kleine Geldstrafen zu bezahlen, um den Knast zu vermeiden?

A. Schneider: Wer es sich im Knast anders überlegt, kann immer noch zahlen. Mir wurde mehrmals angeboten, am nächsten Tag raus zu können, wenn irgendjemand die Reststrafe bezahlen würde. Ich denke, es ist gut, die Erfahrung gemacht zu haben.

Du warst ja umgezogen und hattest eine Bescheinigung über Haftunfähigkeit. Deine letzte Demo war im Oktober 2004. Hattest du eigentlich noch mit einer Verhaftung gerechnet?

A. Schneider: Ich habe damit gerechnet, dass ich dann verhaftet werde, wenn ich nicht mehr damit rechne, und so war es dann ja auch. Ich habe das Gutachten auf Haftunfähigkeit nie als Freibrief betrachtet, aber nachdem die Jagdbehörde - in Absprache mit der Staatsanwaltschaft - so lange gezögert hat (nach der 11. Demo), mich anzuzeigen und auch keine weiteren Taten mehr erfolgt sind, gab es eigentlich keinen Grund mehr, mich noch einzusperren. Die Justiz hätte froh sein können, dass sie nun mit mir ihre Ruhe hat. Bis zu meiner Verhaftung war ich nicht mehr als Tierrechtler aktiv und hatte auch nicht mehr vor, noch einmal aktiv zu werden. Durch die Verhaftung haben sie mich jedoch wieder aktiviert, jedenfalls sehe ich das so, dass ich schon allein dadurch aktiv bin, dass ich hier sitze.

Wie lief das denn genau ab bei der Verhaftung?

A. Schneider: Zwei Polizeibeamte haben mich nachts um 4 Uhr aus dem Schlaf gerissen, wussten jedoch nicht, was sie tun sollten, als sie merkten, dass ich Rollstuhlfahrer bin und mich weigerte, die Geldstrafe zu zahlen. Nach einigen Telefongesprächen entschieden sie, mich vorerst nicht zu verhaften, wenn ich bereit wäre, um 14 Uhr anwesend zu sein, um die Sache mit der verantwortlichen Polizeibeamtin zu besprechen. Um 12 Uhr bekam ich einen Anruf, der aber sofort wieder aufgelegt wurde. Da ahnte ich, dass sie mich nun doch entgegen der nächtlichen Absprache festnehmen würden. 30 Minuten später standen zwei Zivilpolizisten und zwei Justizbeamte vor der Tür, um mich festzunehmen und in die Justizvollzugsanstalt Bielefeld Brackwede II zu bringen. Ich durfte noch ein paar Sachen packen. Mehrfach wurde mir Ratenzahlung angeboten, um die Verhaftung zu vermeiden, was ich jedoch ablehnte.

Dann wurdest du relativ schnell von Bielefeld in das Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg verlegt. Wurdest du dort besser behandelt?

A. Schneider: Leider nicht. Der Stationsarzt drohte mir „Wenn Sie mich nicht zum Feind haben wollen, sollten Sie sich jedes Wort gut überlegen“ und machte sich über meine Aktionen lustig: „Wer im Leben keinen Sinn sieht, muss sich eben einen suchen.“ Die Haftbedingungen waren wie im geschlossenen Vollzug. Die Zellen waren geschlossen und Telefonieren war nicht möglich. Obwohl das Personal immer behauptet hat, es würde sich um ein „ganz normales Krankenhaus“ handeln, zählt die Gesundheit der Gefangenen dort nicht viel, genau wie in JVAs.

Warum wurdest du dann schon bald wieder verlegt, diesmal nach Bochum?

A. Schneider: Das JVK war nur eine Zwischenstation, um meine Haftfähigkeit festzustellen und um einen Platz in einer Pflegeabteilung zu bekommen. Nachdem Hövelhof aus m.E. vorgeschobenen Gründen abgelehnt hat (angeblich könnte eine vegane Ernährung nicht gewährleiset werden, weil sie keine eigene Küche hätten und außerdem sei vegane Ernährung eh ungesund) wurde ich kurzfristig und ohne informiert zu werden (um einer Demo zuvorzukommen und einen Besuch zu verhindern) nach Bochum abgeschoben, die mich wohl nicht ablehnen konnten.

Es gab ja einige Soli-Aktionen. Hast du davon etwas mitbekommen?

A. Schneider: Im JVK Fröndenberg wurde per Fax, E-Mail oder Telefon gegen meine Inhaftierung protestiert, was ich von dem Stationsarzt und aus einem Zeitungsartikel erfahren habe. Eine Soli-Demo vor der JVA Bochum konnte ich in meiner Zelle gut hören.

In Bochum war deine Versorgung und das vegane Essen halbwegs in Ordnung? Hatten die dort schon Erfahrung mit veganen Gefangenen oder woran lag das?

A. Schneider: Nach der Inhaftierung von Iris Berger ist es in NRW kein Problem mehr, veganes Brot zu bekommen, weil die JVAs das Brot aus der JVA in Werl geliefert bekommen. Wenn die Versorgung hier besser klappte, lag das neben dem öffentlichen Druck und meiner deutlichen Ablehnung nichtveganer Sachen vielleicht auch daran, dass sie vom JVK Fröndenberg zuvor informiert wurden, mich vegan zu versorgen. Wenn ich nach meiner Verhaftung direkt nach Bochum gebracht worden wäre, hätte ich hier vielleicht die gleichen Probleme gehabt wie in Bielefeld oder Fröndenberg.

Wie haben denn die anderen Gefangenen auf dich und deine „Spezial-Versorgung“ reagiert?

A. Schneider: Ich habe mit den anderen Gefangenen bisher keine Probleme. Einige machen sich über mich lustig, ohne das aber bös zu meinen. Knast lässt sich mit Humor am besten ertragen, deshalb nehme ich ihnen das auch nicht übel. Schließlich müssen sie ja auch wesentlich länger hier bleiben als ich.

Von draußen stellt man sich das Leben im Knast extrem langweilig vor. Wie bekommst du die Zeit rum?

A. Schneider: Von 8.30 Uhr bis 11 Uhr habe ich Freistunde, das heißt, ich darf mich in der Zeit im Garten aufhalten. Dann gibt es Mittagessen und von 12.45 Uhr - 14 Uhr eine zweite Freistunde. Den Rest des Tages verbringe ich mit fernsehen, schlafen, lesen oder Briefe schreiben. Ich sehe das positiv; im Knast kann mensch sich mal für alles richtig viel Zeit lassen. Die meisten Gefangenen haben mehrere Jahre bis lebenslänglich bekommen. Was sind da schon 80 Tage?

Hast du viel Solidarität erhalten?

A. Schneider: Meine Freunde haben alles, was möglich war, gemacht, um mich zu unterstützen und durch Briefe und Besuche versucht, mir die Haftzeit erträglicher zu machen. Ich bedanke mich bei allen, die sich durch Briefe oder Postkarten, Demos oder auf andere Weise solidarisch gezeigt haben, vor allem bei der ASTI (Anti-Speziesistische Tierrechts-Initiative, Anm. der Red.) für die sehr gute Öffentlichkeitsarbeit und bei meinen Freunden, ohne die es für mich sehr viel schwerer gewesen wäre.

Was wirst du als erstes machen, wenn du wieder raus kommst?

A. Schneider: Darüber mache ich mir gar keine Gedanken.

Vielen Dank für deine Antworten.

Die Redaktion wünscht dir eine möglichst erträgliche Restzeit und viel Moral für die Zukunft.

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